Stadtgeschichte von Stuttgart

Staatsgalerie in Stuttgart Die Geschichte Stuttgarts beginnt als Herzog Luitolf ca. 950 ein Gestüt (=stuotgarten) anlegt und sich um dieses herum eine Ansiedlung bildet. Das Stadtrecht erhielt die Siedlung im 13. Jahrhundert von den badischen Markgrafen. Und der Ortsname wird erstmals 1229 in einer Urkunde erwähnt. Während dem Krieg zwischen dem Kaiser Heinrich VII. und den württembergischen Grafen war die Stadt dem Reich, genauer gesagt der Reichsstadt Esslingen, unterstellt (1312-1315). Nach dem Krieg und dem dazugehörigen Friedensvertrag 1316 wird Stuttgart die Residenz von Eberhard I. Dies führt zu zahlreichen Bauaktivitäten in der Stadt. Die Stadtbefestigung wird massiver, das Schloss herrschaftlicher, ebenso die Kirche (Stiftskirche).

Die wirtschaftliche Basis für den Wohlstand der Stadt sind der Weinbau und das Handwerk. Und die Stadt erweitert sich um zahlreiche Viertel (14. Jahrhundert Leonhards- oder Esslinger Vorstadt; 15. Jahrhundert "Reiche Vorstadt" oder "Liebfrauen-Vorstadt). Die Württembergische Teilung bewirkt, dass Stuttgart zunächst die Hauptstadt beider Landesteile wird. Im revidierten Teilungsvertrag von 1442 wird sie allerdings alleinig dem Grafen Ulrich V zu gesprochen. Dieser lässt das Münzgebäude (1450), das gräfliche Herrenhaus und das bürgerliche Rathaus (1456/58) erbauen. Die Stiftskirche verändert wieder ihr Aussehen bei den Aus- und Umbauarbeiten 1436. Auch die Leonhardkapelle wird umgebaut. Zudem gründet Ulrich 1473 ein Dominikanerkloster. Nachdem die beiden Landesteile wiedervereint worden waren wird Stuttgart mit dem Münsinger Vertrag (1482) zur Haupt- und Residenzstadt. 1483 wird der Vertrag in die Tat umgesetzt, denn Eberhard im Bart verlegt seine Residenz von Urach in die Stadt. Das vereinte Württemberg wird 1495 zum Herzogtum erhoben und dementsprechend wurde Stuttgart Herzogsresidenzstadt.

Die Herrschaft Herzogs Ulrich bringt dem Land Unruhen und Krieg. Deshalb wird die erste Amtszeit des Herzogs (1503-1519) 1520, nach dem Angriff Ulbrichts auf die Reichsstadt Reutlingen, durch den Schwäbische Bund und die Habsburger beendet. Der Herzog flieht und die Stadt wird an Österreich übergeben. Doch Herzog Ulrich kehrt 1534 zurück, als er mit der Hilfe Hessens das Land zurück erobert. Die alte Führungsschicht flieht deshalb freiwillig, oder wird zur Auswanderung gezwungen. Auch führt der neue alte Herzog die Reformation ein.

Die folgenden Jahre sind wieder durch zahlreiche Bauaktivitäten geprägt. So entstehen die Alte Kanzlei (1550-1568), der Umbau des Alten Schlosses zu einer vierflügeligen Anlage mit Arkadenhof, das Landschaftsgebäude (1580), ein Lustgarten mit Lusthaus (1589 - 1593) im heutigen mittleren Schlossgarten, der Neuen Bau (1599-1609), der als Marstall, Kunst- und Rüstkammer genutzt wird, und schließlich noch der Prinzenbau (1605 - 1715). Insgesamt leben um 1600 rund 10.000 Menschen in der Stadt. Doch diese Idylle wird durch den 30 jährigen Krieg und vor allem durch die Niederlage der Protestanten bei Nördlingen 1634 zerstört. Jetzt herrschen Hunger und Seuchen in der von kaiserlichen (katholischen) Truppen besetzten Stadt. So schrumpft die Bevölkerung sichtlich und 1648 leben nur noch 4.500 Menschen in Stuttgart. Doch nach dem Krieg erholt sich die Stadt wieder und 1686 wird das Gymnasium illustre gegründet. Die Stadt wird 1688, 1693 und 1707 jeweils von französischen Truppen besetzt. Während der Regentschaft des Herzog Eberhard Ludwig (1693-1733) ist nicht mehr Stuttgart sondern Ludwigsburg Residenzstadt, deshalb muss die Stadt kurzfristig an Einfluss einbußen. Doch ab 1775 ist wieder Stuttgart Sitz der Herzöge. Es folgen wieder zahlreiche Baumaßnahmen. Obwohl die Hohe Karlsschule nur wenige Jahrzehnte existierte, prägte die, 1781 zur Universität erhobene Schule das kulturelle Leben nachhaltig. Zu den berühmten Schülern zählt u.a. Friedrich Schiller.

Durch den napoleonischen Krieg wurde Stuttgart 1796, 1800/1801 und 1805 besetzt. In der zwischen Zeit waren aus den Herzögen, Kurfürsten (1803) und schließlich Könige geworden (1806). Und somit wurde Stuttgart Königssitz. König Friedrich II. lässt die Stadt dementsprechend ausbauen.
Seit 1815 herrschen in der Stadt politische Unruhen, 1847 kommt es zu so genannten Hungerkrawallen da durch den Ernteausfall die Versorgungslage zugespitzt war.
Doch König Wilhelm I. reagiert und beruft im den Führer der liberalen Opposition, den Stuttgarter Friedrich Römer, in sein Kabinett und macht diesen zum Justizminister und Kabinettschef. Römer und seine Kollegen setzten in Württemberg liberalen Forderungen (Aufhebung der Zensur, Anerkennung der Reichsverfassung u.a.) teilweise durch.

So kommt es, dass das "Rumpfparlament" der Frankfurter Nationalversammlung vom 6. Juni 1849 bis zur erzwungenen Auflösung am 18. Juni in Stuttgart tagt. Die Industrialisierung der Stadt ist ein langsamer Prozess, ein Schritt dazu ist der 1846 in Betrieb genommene Bahnhof. Die Bevölkerung der Stadt steigt allerdings rasch und erreicht 1900 176.000 (1846 waren es 50.000). Diese Menschenmassen sind in den Fabriken der Stadt tätig, denn es haben sich Firmen wie Bosch, oder Daimler in Stuttgart angesiedelt. Doch die Menschen müssen nicht nur arbeiten, sondern benötigen auch eine Wohnmöglichkeit und so entstehen Mitte des 19. Jahrhunderts Wohnungsbauprogramme. (z.B. 1869-1872 das Postdörfle, 1892-1903 die Kolonie Ostheim)
Auch Stuttgart wächst zusätzlich durch Eingemeindungen (Cannstatt 1905 und Degerloch 1908).
1907 findet in Stuttgart der erste Sozialistenkongreß in Deutschland statt.
Die Monarchie endet in Württemberg, und somit in Stuttgart, 1918 als König Wilhelm II. abdankt.

In der Zeit des Nationalsozialismus folgt eine Reihe von Eingemeindungen, so dass das Stadt Gebiet von 3.000 ha auf 21.000 ha anwächst. Zudem müssen 30.000 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in Stuttgart arbeiten, und der jüdische Bevölkerungsteil wurde größtenteils deportiert. Durch die Luftangriffe wird die Stadt beschädigt, rund 60% der Bausubstanz ist betroffen. Nach 1945 halfen alle Kräfte beim Wiederaufbau der Stadt und so wuchs die Bevölkerung wieder von 266.000 auf 600.000 Menschen im Jahre 1950. In diesen Jahren wurde der Wiederaufbau nach praktischen Gesichtspunkten, wie Autogerechte Stadt und massiver Wohnungsbau, betrieben, so dass einige alte Gebäude verloren gingen und die Bausünden heute langsam korrigiert werden müssen. Bis 1956 waren zahlreiche Gebäude wiedererrichtet oder neu gebaut.